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DIE ZEIT Nr. 26 vom 22. Juni 2017

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Regisseur Wim Wenders gesteht: „Muffensausen“ vor dem Opernchor

Regisseur Wim Wenders gesteht: "Muffensausen" vor dem Opernchor

Der Filmregisseur Wim Wenders gesteht anfängliche Vorurteile gegenüber der Kunstform Oper: "Oft habe ich in der Oper bald das Interesse verloren, visuell zumindest, und gedacht, wenn ich die Augen zumache, gefällt es mir besser", so Wenders anlässlich seiner Inszenierung an der Berliner Staatsoper in der Wochenzeitung DIE ZEIT. 

Als Wenders 1978 in einer Bar in San Francisco die ausschließlich mit Opern bestückte Jukebox in Bewegung gesetzt habe, sei das für ihn ein einschneidendes Erlebnis gewesen: "Ich stand da und hab geheult. Eine Schande für den Rock ’n’ Roll."

Eine besondere Herausforderung sei für ihn der Chor gewesen, der in seiner Inszenierung der Oper "Die Perlenfischer" eine zentrale Rolle spielt: "Als ich zum ersten Mal alle 86 Sängerinnen und Sänger vor mir sah, hatte ich Muffensausen. Das war ein gewaltiges ‚Tier‘, wie sollte ich das bändigen?"

Die Beschäftigung mit der klassischen Oper, so Wenders, habe in ihm auch die Lust auf eine filmische Auseinandersetzung mit der deutschen Wirklichkeit geweckt: "Jetzt würde ich schon sehr gerne wieder in Deutschland drehen, mit Menschen, die heute leben, und einer Geschichte, die heute spielt."

Jasna Fritzi Bauer wird manchmal „wie ein Kind behandelt“

Jasna Fritzi Bauer wird manchmal "wie ein Kind behandelt"

Die preisgekrönte Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer ("Axolotl Overkill") wird aufgrund ihrer Körpergröße oft unterschätzt: "Es kommt schon vor, auch im Job, dass ich wie ein Kind behandelt werde", so die 28-Jährige im ZEITmagazin. "Wenn man so klein ist wie ich, nämlich 1,58 Meter, und dann auch noch so jung aussieht, wirkt das gesamte Erscheinungsbild eben infantiler." Das löse bei manchen "offenbar elterliche Gefühle aus".

Fußballprofi Matthias Ginter wollte nach Anschlag auf den BVB-Bus nicht sofort wieder spielen

Fußballprofi Matthias Ginter wollte nach Anschlag auf den BVB-Bus nicht sofort wieder spielen

Für den Fußballer Matthias Ginter war nach dem  Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus im April 2017 "ziemlich schnell klar, dass wir nicht sofort wieder Fußball spielen können", so Ginter im ZEITmagazin. Dennoch:  "Wir hatten Glück im Unglück." Ärzte und Physiotherapeuten im Bus hätten sie sofort versorgt. "Das Nachholspiel am nächsten Tag erlebte ich wie in Trance. Man hat versucht, auf dem Platz zu funktionieren. Selbst nach drei oder vier Tagen konnte ich nicht einfach in den Alltag zurückkehren", so der 23-jährige Profi. Er habe im Bus "wie immer in der letzten Reihe" gesessen. "Als wir losgefahren sind, gab es plötzlich einen lauten Knall, neben mir ist die Scheibe explodiert. Überall flogen Glassplitter herum. Wir sind alle auf den Boden. Wenn wir im Bus keine extra dicke Verglasung gehabt hätten, wäre viel Schlimmeres passiert."

Der Alltag des jungen Abwehrspielers sei seitdem von dieser einschneidenden Erfahrung geprägt: "Wenige Wochen nach dem Anschlag auf unseren Bus war ich mit meiner Freundin an der Rheinpromenade in Düsseldorf spazieren, als ein Lastkraftwagen ganz langsam vorbeifuhr. Da fing für einen Augenblick das Kopfkino an."

Für einen kurzen Moment habe er sogar darüber nachgedacht, mit dem Fußball aufzuhören. Gleichzeitig sei für ihn immer klar gewesen, dass er weitermachen müsse: "Im Leben ist nichts zu hundert Prozent sicher. Wir müssen es genießen, an allem festhalten, was wir lieben und was uns guttut. Es geht immer weiter. Und es wird alles gut."

Bundestrainer Joachim Löw will beim Confed Cup in Russland seine „Rolle nutzen und im Kleinen für Werte stehen: Offenheit, Toleranz, Vielfalt“

Bundestrainer Joachim Löw will beim Confed Cup in Russland seine "Rolle nutzen und im Kleinen für Werte stehen: Offenheit, Toleranz, Vielfalt"

Joachim Löw würde mit seinem Team "natürlich" lieber in einem Land antreten, das "demokratische Grundregeln beachtet", sagt Löw anlässlich des Confed Cups in Russland im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Aber ist es nicht ein wenig zu viel von einer Fußballmannschaft verlangt, die politische Situation in Russland zu verändern?" fragt der Bundestrainer und fügt hinzu: "Wir sollen Probleme lösen, die die Politik nicht überwindet?"

Im Umgang mit den Menschen in Russland spüre er: "Ich habe als Nationaltrainer Autorität", aber er wolle diese auf seine Art interpretieren und ausleben, so habe er es immer gemacht: "Ich will meine Rolle nutzen und im Kleinen für Werte stehen: Offenheit, Toleranz, Vielfalt."

Als Fußballmannschaft habe man  "eine direkte Beziehung zu den Menschen, zum Volk". Und weiter: "Es mag schnell etwas abgedroschen wirken, zu sagen, man wolle Werte nach außen vertreten. Aber ich glaube daran, dass man mit einer Vorbildfunktion etwas verändern kann. Da geht es nicht darum, laut zu sein, es geht nicht um Effekthascherei", so Löw.

Der Nationaltrainer wehrt sich gegen das Bild seines jungen Confed Cup-Kaders als brave, homogene Gruppe: "Mit diesem Mythos muss ich jetzt endlich mal aufräumen."  Die neue Generation sei anders, als ihr Bild in der Öffentlichkeit gezeichnet werde. Die Spieler könnten durchaus offen ihre Meinung sagen, seien selbstkritisch und differenzierten "sehr klar". Es käme auch zu Diskussionen "und manchmal lasse ich mich auch überzeugen." Und weiter: "Das kommt gar nicht so selten vor – und es imponiert mir", erklärt Löw: "Spieler wie Joshua Kimmich und Julian Brandt sind durchaus mutig. Vor zehn Jahren waren junge Spieler meist leise. Haltung ist ja deshalb so wichtig, weil die Spieler auf dem Platz auch mutig sein müssen, Ideen kreieren, Lösungen finden, kommunizieren und sich durchsetzen sollen."

Dirigent Christian Thielemann steht kurz vor der Vertragsverlängerung in Dresden

Dirigent Christian Thielemann steht kurz vor der Vertragsverlängerung in Dresden

Christian Thielemann steht kurz vor der Verlängerung seiner Vertrages als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle. "Ich wüsste nicht, was der Sache noch entgegensteht", sagt Thielemann der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Wir sind in den letzten Zügen der Verhandlungen".

Thielemann hat den Posten als Dresdner Chefdirigent seit 2012 inne, und nach diesen fünf Jahren könne er sagen: "Diese Stadt ist fantastisch." In Dresden erlebe er "geradezu eine schöpferische Symbiose", das Orchester und er würden "wahnsinnig gut zueinanderpassen". Alles sei wunderbar: "Nehmen Sie die Residenzstadt-Atmosphäre. Die Achtung, die ein Orchester und sein Dirigent hier noch erfahren. Diese Art von ruhigem Bürgertum".

Leid tue es ihm, wenn Dresden auf Pegida reduziert werde – "bei einer so herrlichen Stadt, mit einem so wunderbaren Umland. Von den Menschen, die ich kenne, habe ich nie extreme Meinungen gehört", so Thielemann in dem ZEIT-Interview.

Christian Lindner (FDP) will Internetkonzerne stärker kontrollieren: „Bundeskartellamt aufrüsten“

Christian Lindner (FDP) will Internetkonzerne stärker kontrollieren: "Bundeskartellamt aufrüsten"

Der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, fordert Internetkonzerne stärker zu kontrollieren. Er wünsche sich ein "neues Recht für Daten-Souveränität, das uns eine Art Eigentumsrecht an unseren Daten einräumt", sagt Lindner in der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Ich möchte, dass alles gelöscht wird, wenn ein Nutzer das will." Außerdem solle man die Daten von der einen Plattform auf die andere mitnehmen können.

Notfalls solle man das national durchsetzen, wenn es europäisch nicht gelinge, so Lindner: "Man kann zum Beispiel das Bundeskartellamt aufrüsten."

Amos Oz glaubt an Versöhnung zwischen Juden und Arabern

Amos Oz glaubt an Versöhnung zwischen Juden und Arabern

Der israelische Schriftsteller Amos Oz glaubt an einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Juden und Araber hätten gar keine andere Wahl, "als als unglückliche Familie eine Form von Koexistenz zu finden", sagt Oz der ZEIT-Beilage Christ & Welt.

Dabei gehe es nicht sofort um Freundschaft zwischen Israelis und Palästinensern. "Es reicht, wenn sie sich zu guten Nachbarn zusammenraufen, die halbwegs friedlich miteinander auskommen", sagt Oz. "In 100 Jahren kann aus der friedlichen Nachbarschaft zwischen Juden und Palästinensern vielleicht sogar eine Freundschaft werden, warum nicht?"

Als Vorbild sehe er Europas Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg: "Dass Deutschland und Frankreich, einstmals Erbfeinde, zu engen Partnern in Europa werden, hätte vor 70 Jahren niemand für möglich gehalten", so der Autor.

Der 1939 in Jerusalem geborene Amos Oz ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Israels. Seit 1987 lehrt er hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität des Negev. Er gilt als einer der prominentesten israelischen Befürworter einer Zwei-Staaten-Lösung.

Mint-Nachwuchsbarometer: 40 Prozent aller Lehrer ohne Fortbildung zu neuen Medien

Mint-Nachwuchsbarometer: 40 Prozent aller Lehrer ohne Fortbildung zu neuen Medien

40 Prozent der Lehrer haben jahrelang keine Fortbildung zu neuen Medien im Unterricht besucht. Das berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT und  beruft sich dabei auf das sogenannte  Mint-Nachwuchsbarometer, das ihr exklusiv vorliegt. Forscher um den Potsdamer Techniksoziologen Ortwin Renn haben diesen Bericht zur Lage der Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) vorgelegt; Auftraggeber sind die Körber-Stiftung und acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.

Nachdenklich stimmt auch, dass zwar 73 Prozent der Neuntklässler zu Hause den Computer fast täglich nutzen, aber nur ein Prozent von ihnen das auch in der Schule tue. 39 Prozent der Eltern hätten nicht geregelt, wie viel Zeit die Kinder online verbringen dürfen, 29 Prozent stießen nach eigener Aussage bei der Nutzung digitaler Geräte an Grenzen und hätten nicht geklärt, was sich ihre Kinder im Netz ansehen dürften.

In den Schulen, so der Bericht, fehle es an Personal, um die Geräte zu warten, und vor allem fehle es an didaktischen Konzepten, wie dem digitalen Wandel zu begegnen sei; nur die Hälfte der Schulen verfüge über ein Medienkonzept. Besonders kritisch ist die Lehrkräfteentwicklung an den Berufsschulen: Nur 20 Prozent der angehenden Berufsschullehrer lassen sich für Mint-Fächer ausbilden. Der Bericht zeigt auch, dass trotz groß angelegter Mint-Werbekampagnen die Leistungskurse in Physik, Informatik und Chemie fest in der Hand der Jungs blieben.

Und: Deutschlands Lehrer sind keine Technikmuffel. 95 Prozent von ihnen finden den Einsatz von Computern im Unterricht grundsätzlich gut.

Ex-Bild-Chefredakteur liest "Bild" nicht mehr

Ex-Bild-Chefredakteur liest "Bild" nicht mehr

Die Bild-Zeitung "ist langweilig", sagt ihr ehemaliger Chefredakteur Günter Prinz. Er lese sie nicht mehr. Prinz war von 1971 an zehn Jahre lang Chefredakteur von "Bild". Unter ihm stieg die Auflage auf den historischen Höchststand von rund 5,5 Millionen verkauften Exemplaren.

Politisch geprägt war die Zeit von Prinz durch die Berichterstattung über die Terroristen der Rote Armee Fraktion und linke Studenten, mit denen "Bild" damals nicht zimperlich umging. Der Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll griff "Bild" deswegen in seinem Roman "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" an. Prinz sagt heute über seine damalige Arbeit: "Ich habe vielleicht 10 000 Schlagzeilen gemacht. Wenn davon 100 misslungen und einige in ihrer Zuspitzung schrecklich misslungen sind, dann ist es schlimm. Aber die Quote ist halbwegs in Ordnung."

Günter Prinz (87) hat in seiner Karriere auch viele Zeitschriften gegründet, begonnen mit "Eltern" und "Jasmin". Später entwickelte er "Auto Bild" und "Bild der Frau" für den Axel Springer Verlag sowie die Zeitschrift "SuperIllu" für Hubert Burda Media.

Philip Morris-CEO Calantzopoulos will mehr werben dürfen und fordert Neuregelung für Zulassung neuer Tabakprodukte

Philip Morris-CEO Calantzopoulos will mehr werben dürfen und fordert Neuregelung für Zulassung neuer Tabakprodukte

Der Vorstandschef des Zigarettenherstellers Philip Morris International will den Umstieg von Zigaretten auf sogenannte Heat Sticks und fordert dafür Werbeerleichterungen für sein neuartiges Tabakprodukt Iqos.  "Wir brauchen etwas mehr Freiheit, um mit Rauchern reden zu können. Sonst haben wir keine Chance, sie zum Umstieg von der Zigarette auf unsere potentiell weniger schädlichen Produkte zu bewegen", sagt André Calantzopoulos der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Die in Deutschland derzeit noch mögliche Außenwerbung wäre schon ausreichend. Länder mit sehr strikten Regeln sollten diese etwas lockern."

Im Gespräch mit der ZEIT konkretisiert der Chef des größten privaten Zigarettenherstellers seine Pläne zur geplanten Transformation des Konzerns. In deren Zentrum stehen Produkte wie Iqos, die Tabak nur noch erhitzen statt ihn zu verbrennen. Nach Unternehmensangaben würden dabei deutlich weniger Schadstoffe freigesetzt. "Zigaretten werden vielleicht noch sieben oder acht Jahre lang den größten Teil unserer Gewinne liefern. Dann wird das vorbei sein", sagt Calantzopoulos. Sein Ziel sei es nicht mehr, Zigaretten-Marken wie Marlboro zu erhalten.

Aus gesundheitspolitischen Gründen solle die Zulassung neuartiger Tabakprodukte in Europa nach dem Vorbild der amerikanischen FDA neu geregelt werden: "Wir müssen wieder ins Gespräch kommen. Für die WHO und andere gibt es heute nur die Alternative ‚quit or die’ – hör´ auf zu Rauchen oder stirb. Ein dritter Weg wäre, das Risiko für die, die weiterrauchen, drastisch zu reduzieren. Ich hoffe, dass die WHO ihre komplett ideologische Position aufgibt und endlich pragmatisch wird."

Am Montag hatte Philip Morris umfangreiche Investitionen in eine neue Fabrik in Dresden bekanntgegeben, in der von 2019 an jährlich bis zu 30 Milliarden so genannter Heat Sticks für Iqos produziert werden sollen. Eine schnelle Schließung des bestehenden Zigarettenwerks in Dresden schloss Calantzopoulos allerdings aus: "Das ist derzeit nicht geplant", sagt er. "Zumindest in den nächsten Jahren werden wir dort jeden Quadratmeter Fabrikfläche brauchen."

Der griechische Migrationsminister fordert mehr Solidarität von den EU-Staaten in der Flüchtlingsfrage

Der griechische Migrationsminister fordert mehr Solidarität von den EU-Staaten in der Flüchtlingsfrage

Griechenlands Migrationsminister Ioannis Mouzalas hat die EU-Staaten, vor allem die osteuropäischen, aufgefordert, sich in der Flüchtlingsfrage solidarischer zu zeigen. Im Hinblick auf sein eigenes Land sagt Mouzalas in der Wochenzeitung DIE ZEIT: "Unsere Inseln dürfen nicht noch einmal zu riesigen Auffanglagern werden. Das halten wir nicht aus. Das erträgt auch Europa nicht. Die Lasten müssen auf alle europäischen Schultern verteilt werden."

Mouzalas verteidigt auch das EU-Abkommen mit der Türkei und die Einrichtung sogenannter Hotspots auf fünf griechischen Inseln. Dort werden Flüchtlinge solange festgehalten, bis über ihre Asylanträge entschieden wird. Nur wer Asyl erhält, darf aufs griechische Festland. Wer abgelehnt wird, muss entweder zurück in seine Heimat oder in die Türkei. Menschenrechtsverbände bezeichnen diese Praxis als inhuman.

Angesichts der hohen Zahlen habe es gar keine andere Lösung gegeben, sagt Mouzalas. "Was wäre die Alternative gewesen?" Und weiter: "Mein kleines Griechenland wäre untergegangen, die EU zerbrochen und vom internationalen Flüchtlingsschutz nicht mehr als eine schöne Erinnerung geblieben."

Seit dem Abkommen mit der Türkei im März 2016 sind die Flüchtlingszahlen auf griechischen Inseln drastisch zurückgegangen. Kamen 2015 und Anfang 2016 noch 2000 bis 3000 Flüchtlinge am Tag, sind es heute nur noch zwischen 50 und 100. Dramatisch geändert hat sich auch die Zusammensetzung der Flüchtlinge. Statt Syrern und Irakern stranden in diesen Wochen vor allem Afrikaner, Pakistaner, Afghanen und Bangladescher auf den Inseln in der Ägäis, vor allem auf Lesbos.

Christian Lindner (FDP) kritisiert Steuerpläne der SPD

Christian Lindner (FDP) kritisiert Steuerpläne der SPD

Der Parteivorsitzende der FDP, Christian Lindner, kritisiert die Steuerpläne des SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz: "Die SPD will, dass die Reichensteuer künftig schon vom Ingenieur bezahlt wird", sagt Lindner im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Aus der Steuer für Millionäre wird eine Steuer für den Mittelstand." Das treffe insbesondere das Kleingewerbe, wo es viele Personengesellschaften gibt, die Einkommensteuer zahlen. Die Steuerpolitik der SPD, erklärt Lindner, halte er im Kern nicht für fair oder klug. "Wir haben in Deutschland schon Umverteilung at its best."

Nur von den Plänen zur Streichung des Solidaritätszuschlags für untere und mittlere Einkommen zeigt Lindner sich positiv überrascht: "Da ist die CDU nun allein."

Bundeswehr: Zahl gemeldeter Übergriffe in der Truppe steigt

Bundeswehr: Zahl gemeldeter Übergriffe in der Truppe steigt

Immer mehr Soldatinnen und Soldaten melden Verfehlungen in der Bundeswehr. Hatten im vergangenen Kalenderjahr lediglich 30 Untergebene sich offiziell über Übergriffe von Vorgesetzten wie etwa gezielte Schinderei oder wüste Beschimpfungen ("Ihr seid genetischer Abfall")  beschwert, so waren es vom 1. Januar 2017 bis zum 20. Juli dieses Jahres  bereits 50.  Im gleichen Zeitraum wurden 83 rechtsextreme oder fremdenfeindliche Verfehlungen gemeldet – 22 mehr als im gesamten Jahr 2016.  Und auch bei den Fällen sexueller Nötigung und Erniedrigung zeichnet sich ein starker Anstieg ab: Die Gesamtzahl von 121 Fällen im Jahr  2016 war für das Jahr 2017 bereits am vergangenen Dienstag, dem 20. Juni, mit 114 Meldungen fast erreicht.

Laut Verteidigungsministerium sind die steigenden Meldezahlen keineswegs Beleg dafür, dass die Bundeswehr immer autoritärer sowie fremden- und frauenfeindlicher werde. Sie machten vielmehr  deutlich, dass die Soldatinnen und Soldaten mutiger würden, Fehlverhalten klar zu benennen. Darauf weise auch eine "nicht unbedeutende Anzahl von Altfällen" hin, die nun gemeldet würden. Das sei, wie es im Ministerium weiter hieß, "ganz im Sinne von Ministerin von der Leyen."    

Dresdens Oberbürgermeister will Helmut Kohl würdigen

Dresdens Oberbürgermeister will Helmut Kohl würdigen

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will den verstorbenen Bundeskanzler Helmut Kohl in seiner Stadt würdigen. "Wir denken gerade darüber nach, wie wir Helmut Kohl ehren können", sagt Hilbert der Wochenzeitung DIE ZEIT. Kohl habe im Dezember 1989 "eine der wichtigsten Reden seines Lebens" in Dresden gehalten, so Hilbert. "Hier wurde die Wiedervereinigung möglich, unter dem Jubel Tausender." Kohl sei ein Stück Dresdner Geschichte.

Helmut Kohl hatte im Dezember 1989 eine Rede auf dem Dresdner Neumarkt gehalten, in der er die Grundlage für eine spätere Wiedervereinigung legte. Diesen Platz jedoch will Hilbert nicht nach Kohl benennen: "Da würden wir die Fehler früherer Generationen wiederholen, Plätze ständig nach den jeweiligen Anführern umzubenennen."

Ein "schöner erster Schritt", so Hilbert, könne dagegen die Benennung eines europäischen Schüleraustauschs nach Helmut Kohl sein. Auf die Frage, ob etwa eine Umbenennung des Dresdner Flughafens nach Helmut Kohl denkbar sei, antwortete Oberbürgermeister Hilbert im Scherz: "Warum nicht. Vielleicht führt es dazu, dass wir endlich von mehr Airlines angesteuert werden?"

Studie: AfD keine Partei der „kleinen Leute“

Studie: AfD keine Partei der "kleinen Leute"

Einer Studie der Uni Leipzig zufolge spricht die AfD nicht in erster Linie die Abgehängten der Gesellschaft an. "Es gibt unter AfD-Wählern sogar mehr Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen als bei mancher anderen Partei", sagt der Leiter der Untersuchung, der Soziologe Holger Lengfeld, in einem Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT, der die Studie vorab vorliegt.

Potenzielle AfD-Wähler seien "nicht allein das, was man gemeinhin ‚kleine Leute‘ nennt", so Lengfeld. Die AfD habe Unterstützer in der gesamten Bevölkerung: Arbeiter, Angestellte, Akademiker. "Personen mit mittlerem Schulabschluss sind unter AfD-Wählern sogar etwas stärker vertreten als bei anderen Parteien."

Für die Untersuchung hat Lengfeld umfangreiche Rohdaten neuer repräsentativer Meinungsumfragen statistisch ausgewertet und damit Zusammenhänge zwischen sozialem Status und der Wahlabsicht der Bürger hergestellt. "Das Ergebnis hat mich selbst überrascht", sagt Lengfeld. Die AfD werde so gut wie gar nicht aus ökonomischen Gründen gewählt, sondern vor allem weil sie sich gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung und die etablierten Parteien positioniere.

Versuche etwa der SPD, im Wahlkampf stärker auf soziale Gerechtigkeit zu setzen, würden die AfD demzufolge kaum Wähler kosten. "Die Annahme, man könnte der AfD potenzielle Wähler abluchsen, indem man für mehr Umverteilung sorgt, halte ich für einen Fehlschluss – und das ist ein zentrales Ergebnis unserer Untersuchung", so Lengfeld. "Jemand, der die AfD gut findet, wird nicht zur SPD wechseln, weil die die größeren sozialen Versprechungen macht."

Holger Lengfeld ist Professor für "Soziologie, Institutionen und sozialer Wandel" an der Universität Leipzig und Fellow am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin.

Air Berlin-Chef erwägt BER-Verzicht

Air Berlin-Chef erwägt BER-Verzicht

Der Chef von Air Berlin, Thomas Winkelmann, erwägt den Verzicht auf den geplanten Großflughafen BER: "Wenn Tegel offen bleibt, kann man aus dem BER ein Museum machen. Wir werden dann mit Air Berlin in Tegel bleiben", sagt Winkelmann der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Zeitgleich mit der Bundestagswahl stimmen die Berliner am 24. September darüber ab, ob Tegel auch nach der Öffnung des BER weiter betrieben werden soll. Der regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hat durchblicken lassen, dass Tegel so oder so geschlossen werde. Dies setze jedoch voraus, dass am neuen Flughafen Flugzeuge tatsächlich starten und landen können. Eigentlich sollte es 2012 soweit sein, doch wegen Baumängeln wird es wohl bis 2019 dauern.

Deutschlands oberste ärztliche Homöopathin räumt ein: Es gibt „nichts, was richtig belastbar ist“

Deutschlands oberste ärztliche Homöopathin räumt ein:  Es gibt "nichts, was richtig belastbar ist"

Die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), Cornelia Bajic, räumt in der Wochenzeitung DIE ZEIT ein, dass sie nicht wisse,  wie die Homöopathie wirke: "Es gibt ja verschiedene Erklärungsansätze – aber nichts, was richtig belastbar ist." Deswegen solle man sich da lieber zurückhalten, sagt Bajic.

Vorsichtig ist sie auch mit dem Begriff Heilung: "Heilung heißt, die Krankheit verschwindet für immer und ewig. Das würde ich nicht versprechen." Allerdings sieht sie in der Homöopathie nicht einfach nur eine Methode, bei der sich die Leute wohlfühlen: "Ich denke, die Homöopathie ist keine Lifestyle-Methode, sie ist mehr. Sie ist eine Arzneimitteltherapie, die nach meiner Erfahrung wirkungsvoll ist."

Bajic erklärt, dass sie nicht bei jeder Krankheit, etwa bei einer Erkältung,  etwas unternehme und homöopathisch behandele. "Aber die Patienten sind dann schon ein bisschen irritiert, wenn ich nichts verordne." Denn: "Keiner will gar nichts tun!"

Distanzieren möchte sich Bajic "rigoros" von der Darstellung, dass Homöopathen "Abzocker" seien: Wenn sie eine Anamnese erhebe, "dann kann ich in der Zeit eben nicht 20 weitere Patienten behandeln, mit denen ich das Gleiche verdienen würde. Das möchte ich gerne bezahlt bekommen. Ich werde damit aber sicher nicht reich."