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Aktuelle Vorabmeldungen

DIE ZEIT Nr. 3 vom 11. Januar 2018

1. Keanu Reeves vermisste als Jugendlicher seinen leiblichen Vater sehr

2. Erfolgsautor David Sedaris: "Ich war volle 25 Jahre am Stück high"

3. Kardinal Christoph Schönborn kritisiert Papst-Gegner

4. Katholische Theologin Johanna Rahner: "Der Islam gehört an die Universität"

5. Bildungspolitiker von CDU und SPD fordern grundlegende Reform der KMK

6. DIE ZEIT zu den Wahlen in der größten Schweizer Stadt: "Löst Zürich auf!"

7. Deutscher Wildökologe kritisiert die Strategien von Agrarpolitikern und Landwirten gegen die Afrikanische Schweinepest

8. Ausländische Investoren drängen auf deutschen Immobilienmarkt

9. Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister fordert in der ZEIT stärkeres Europa-Engagement der nächsten Bundesregierung

10. Ex-Lageso-Chef warnt: "Es könnte nochmal knallen"

11. Fotografin Nan Goldin attackiert Mäzenatenfamilie Sackler: Schuld an Drogensucht

12. Bestseller Autor Michael Wolff wollte positives Buch über Trump schreiben

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Keanu Reeves vermisste als Jugendlicher seinen leiblichen Vater sehr

Der Schauspieler Keanu Reeves hat als Jugendlicher seinen Vater vermisst: "Ich bin ohne meinen leiblichen Vater aufgewachsen", sagt Reeves dem ZEITmagazin. "In meiner frühen Jugend habe ich ihn sehr vermisst und mir häufig gewünscht, er wäre da", so Reeves weiter. "Vielleicht hätte mein Leben eine andere Richtung genommen, wenn er Teil davon gewesen wäre."

Als junger Mann sei es ihm "oft schwergefallen, mit komplexen, emotional aufgeladenen Situationen umzugehen und meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen", sagt Reeves. Damals habe er "immer wieder Menschen, die mir nahestanden, verletzt". Das bedaure er sehr. "Manchmal wünsche ich mir, als der Mann, der ich heute bin, an der Seite meines jüngeren Ichs zu sein und ihm beistehen zu können."

In seinem Leben sei der Tod "allgegenwärtig": "Innerhalb von acht Jahren ist erst ein enger Freund gestorben, dann mein ungeborenes Baby und schließlich meine damalige Partnerin", sagt er. Es falle ihm zwar bis heute schwer, damit zurechtzukommen, doch der Verlust habe bei ihm auch "zu einer tiefen Wertschätzung für das Leben geführt". Und weiter: "Auf meinen eigenen Tod fühle ich mich noch nicht ausreichend vorbereitet, daran muss ich wohl noch arbeiten."

Erfolgsautor David Sedaris: „Ich war volle 25 Jahre am Stück high“

Erfolgsautor David Sedaris: "Ich war volle 25 Jahre am Stück high"

Der amerikanische Autor und Komiker David Sedaris, 60, war überzeugt davon, nur unter Drogen schreiben zu können: "Ich hing an dem Irrglauben fest, high sein zu müssen, um kreativ zu sein", sagt der Schriftsteller in einem Gespräch mit dem ZEITmagazin. "Ich war volle 25 Jahre am Stück high. So war es auch mit dem Alkohol. Sogar als es nicht mehr so lustig war. Vielleicht hätte ich es früher geschafft, davon loszukommen, aber ich war davon überzeugt, dass ich die Drogen und den Alkohol brauche – um schreiben zu können."

Ausgerechnet eine banale Gegebenheit rettete Sedaris vor den Drogen: "Ich war komplett abhängig von Crystal Meth. Es ging mir so dreckig, ich klaute es von meinen Freunden und war über Tage am Stück wach. Wenn ich heute meine Tagebücher aus der Zeit lese, dann sehe ich, dass ich verrückt war. Meine Rettung: Mein Dealer ist zum Glück irgendwann einfach weggezogen. Da hatte ich keine Quelle mehr. Die Genesung war nicht mal mein Verdienst, aber sie änderte mein Leben. Heute findest du innerhalb weniger Stunden einen neuen Lieferanten, aber damals, 1978, war die Droge nicht so einfach zu bekommen. Von Crystal Meth loszukommen war eins der schwierigsten Dinge, die ich je durchlebt habe."

In seinen Texten und Büchern verarbeitet David Sedaris seine griechischen Wurzeln, seine Homosexualität, seine Zeit mit den Drogen und aktuelle politische Themen. Er schreibt unter anderem für die New York Times und den New Yorker.

Kardinal Christoph Schönborn kritisiert Papst-Gegner

Kardinal Christoph Schönborn kritisiert Papst-Gegner

Kardinal Christoph Schönborn hat die vier katholischen Kardinäle kritisiert, die sich im Streit um die Zulassung Geschiedener zur Kommunion gegen Papst Franziskus gestellt hatten. "Ich halte ihr Vorgehen nicht für angemessen", so Schönborn im Gespräch mit der ZEIT-Beilage Christ & Welt. Der Wiener Kardinal, der als enger Vertrauter von Franziskus gilt, bemängelte insbesondere, dass die vier ihren Brief "publiziert haben und gesagt haben, dass der Papst sie nicht empfängt". Schönborn weiter: "Das gehört sich nicht für enge Mitarbeiter des Papstes."

In Franziskus’ Schreiben "Amoris laetitia", das Auslöser der Kontroverse war, spüre man den existenziellen biographischen Hintergrund des Papstes. "Diese zahllosen extrem armen Familien, die er in Lateinamerika erlebt hat", so der Kardinal, "da kannst du nicht nur mit der objektiven Norm kommen!" Das soziale Engagement des Papstes sei der "Kairos für die Kirche von heute, aber auch für die Gesellschaft" und "Amoris laetitia" ein "wichtiges und großes Dokument".

Doch auch wenn Papst Franziskus vielen Katholiken Mut mache, gehe er "zum Teil sehr alleine" voran. Zu seinem Wirken gehöre "wahrscheinlich auch eine gewisse, manchmal auch sehr schmerzliche Einsamkeit". Dem emeritierten Papst Benedikt XVI. sei Papst Franziskus indes "viel näher, als man oft annimmt", so Schönborn. "Ich glaube nicht, dass es eine Brücke braucht zwischen den beiden."

Kardinal Christoph Schönborn ist einer der einflussreichsten Männer der Weltkirche und gilt selbst als Anwärter auf das Papst-Amt. Im April 2016 hatte er das nachsynodale Schreiben zu Ehe und Familie, "Amoris laetitia", von Papst Franziskus präsentiert. Daraufhin hatten die vier Kardinäle Walter Brandmüller und Raymond Burke sowie die inzwischen verstorbenen Carlo Caffarra und Joachim Meisner in einem Brief Zweifel hinsichtlich einer möglichen Kommunionszulassung von wiederverheirateten Geschiedenen vorgetragen.

Katholische Theologin Johanna Rahner: „Der Islam gehört an die Universität“

Katholische Theologin Johanna Rahner: "Der Islam gehört an die Universität"

"Religion und Glaube gehören unter staatliche Aufsicht!", schreibt Johanna Rahner in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Denn: "Vertrauen ist gut, Kontrolle besser!" So wie die katholische Theologie vor 200 Jahren in die Universität Tübingen integriert worden sei, müsse sich heute auch die Islamtheologie im universitären Umfeld behaupten.

Die renommierte katholische Theologin, die den einstigen Lehrstuhl des Kirchenreformers Hans Küng inne hat, kritisiert Vorurteile gegen die "Zentren für Islamische Theologie" an deutschen Universitäten. "Die einen fragen: Ist der Islam überhaupt moderne-, pluralitäts- und damit wissenschaftsfähig? Die anderen fürchten: Eine Verwissenschaftlichung des Glaubens relativiert und verwässert ihn!" Rahner fordert: "Der heutige Staat aber muss alle Versuche unterbinden, kritische Islamtheologinnen und -theologen abzuwerten und einzuschüchtern."

Weiter heißt es: "Der säkulare Staat muss der Radikalisierung des Glaubens vorbeugen." Und: "Er muss verhindern, dass die Gewaltgeschichte der Religionen tabuisiert und der Glaube ins Private verdrängt wird." Alle Religionsgemeinschaften würden heute daran gemessen, ob ihre Gläubigen tolerant sind. Nur der freiheitliche Staat garantiere das Recht der Religion auf Selbstaufklärung. Deshalb gelte: "Der Islam gehört an die Universität!"

Bildungspolitiker von CDU und SPD fordern grundlegende Reform der KMK

Bildungspolitiker von CDU und SPD fordern grundlegende Reform der KMK

Zum 70. Jubiläum der Kultusministerkonferenz (KMK) haben Bildungspolitiker von SPD und CDU eine grundlegende Reform des Bildungsföderalismus gefordert. In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT bemängeln Josef Lange (CDU), Burkhard Jungkamp (SPD) und Michael Voges (SPD) die "fehlende Vergleichbarkeit" zwischen den Bildungssystemen in Deutschland. Diese führe zu einem "unfairen Wettbewerb" und Ungerechtigkeiten etwa beim Abitur. "Knapp die Hälfte der Studienfächer unterliegt einem Numerus clausus. Da zählt in der Abiturnote die Stelle hinter dem Komma. Dabei sind die Zensuren nur bedingt vergleichbar", kritisiert Voges. Die drei Politiker saßen für ihr Bundesland – Lange für Niedersachsen, Jungkamp für Brandenburg und Voges für Hamburg – selbst über ein Jahrzehnt in der KMK. Viele Jahre haben die drei als Staatssekretäre dort die Schul- beziehungsweise Hochschulpolitik ihrer Partei koordiniert.

Die drei Bildungspolitiker, die lange Jahre in der KMK mitarbeiteten, haben die Ministerpräsidenten jetzt in einem offenen Brief aufgefordert, in Zukunft für eine bundesweit einheitlichere Schulpolitik zu sorgen. Dazu sollen die Bundesländer in einem Vertrag Regelungen festlegen, die in allen Ländern gleich sind, heißt es in dem Schreiben, das ebenfalls der ZEIT vorliegt. Zu den verbindlichen Absprachen gehören eine zentrale Abiturprüfung in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache, ein einheitlicher Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule sowie gemeinsame Kerninhalte in der Lehrerausbildung. Ebenso müssten sich die Länder über eine einheitliche Umsetzung der Inklusion verständigen. "In dem einen Land geht ein Kind mit Förderbedarf in eine Regelschule, wenn die Eltern das wollen, in dem anderen Land muss es auf eine Förderschule. Das kann man niemandem mehr erklären", heißt es in dem Gespräch mit der ZEIT.

Die "Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland", so der offizielle Name, wurde 1948 gegründet, also noch vor der Bundesrepublik selbst. Die Feiern zum 70. Jubiläum beginnen am kommenden Montag in Berlin. In der KMK sollen die Länder sich untereinander abstimmen, um eine gemeinsame nationale Bildungspolitik zu ermöglichen. Dies gelingt nach Ansicht vieler Kritiker aber nur unzureichend. So hatte kurz vor Weihnachten das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum Numerus clausus beklagt, dass die Abiturnoten in Deutschland zwischen den Bundesländern nicht vergleichbar sind. Man nehme in Kauf, dass Studienplatzbewerber "erhebliche Nachteile erleiden", je nachdem, wo sie das Abitur erwerben.

DIE ZEIT zu den Wahlen in der größten Schweizer Stadt: „Löst Zürich auf!“

DIE ZEIT zu den Wahlen in der größten Schweizer Stadt: "Löst Zürich auf!"

Am 4. März wählt die Stadt Zürich eine neue Regierung. In ihrer aktuellen Schweiz-Ausgabe zeigt die deutsche Wochenzeitung DIE ZEIT, wie sich die größte Schweizer Stadt in den nächsten Jahren entwickeln müsste: "Löst Zürich auf – und teilt die Stadt und ihr Umland neu auf." Zürich sei längst über sich hinausgewachsen. Die Stadt habe ihre politischen Grenzen gesprengt. Es sei deshalb überfällig, Zürich ganz neu zu denken.

Wie in der Vergangenheit bereits zweimal geschehen, gehe es im 21. Jahrhundert wieder darum, "die administrativen Stadtgrenzen den gelebten anzupassen", schreibt DIE ZEIT. Dies sei notwendig, weil die politischen Grenzen weiterhin wirken würden: "Stadt und Agglomeration werden anders regiert – und vor allem: völlig unterschiedlich verwaltet." Die Stadt mit ihrer traditionell großen Administration neige zur Überregulierung, während die Vorortsgemeinden, sobald die Probleme komplexer würden, schnell überfordert seien.

Der Vorschlag "Löst Zürich auf!" sei "durch und durch schweizerisch", schreibt DIE ZEIT: "Es geht nicht um eine Reform der Reform willen, sondern um ein zeitgemäßes Management der heutigen öffentlichen Aufgaben." Konkret heißt das: "An die Stelle der Stadt Zürich und ihrer Vorortsgemeinden treten neu gegründete Stadtgemeinden von jeweils 50 00 bis 100 00 Einwohnern." Aus einer Beziehung, die heute ungleich sei, werde eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

"Eine dieser Neo-Gemeinden könnte ein Zusammenschluss der Stadtquartiere Altstetten und Albisrieden mit den Gemeinden Schlieren, Urdorf und Uitikon sein", schreibt DIE ZEIT weiter. Ihr Name: "Eugen-Huber-Stadt", benannt nach dem Verfasser des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, dessen Eltern in Altstetten zur Welt kamen. Am Ausgang des Reppisch- und Eingang des Limmattals gelegen, mit dem "Buechhoger" als Park, wäre die neue Stadt mit ihren 80 000 Einwohnern "ein ökonomisches Kraftwerk" und zudem ein "gewichtiger Bildungs- und Forschungsstandort", heißt es im Artikel in der Schweiz-Ausgabe der ZEIT.

Deutscher Wildökologe kritisiert die Strategien von Agrarpolitikern und Landwirten gegen die Afrikanische Schweinepest

Deutscher Wildökologe kritisiert die Strategien von Agrarpolitikern und Landwirten gegen die Afrikanische Schweinepest

Der Dresdener Wildökologe Sven Herzog hält eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland für sehr Wahrscheinlich. Landwirte fürchten bereits Milliardenschäden durch die hochansteckende Seuche. Gegen die tödliche Krankheit schützt bisher weder eine Impfung, noch gibt es wirksame Medikamente. Agrarpolitiker und Landwirte fordern immer lauter eine intensive Bejagung der Wildschweinbestände. Die Tiere gelten als Überträger der Seuche. Herzog kritisiert diese Pläne als puren Aktionismus: "Die Hauptgefahr geht gar nicht von den Wildschweinen aus." Und weiter: "Viel schnellere ASP-Überträger sind Reisende und Berufskraftfahrer. An Schuhen, Kleidern oder Fahrzeugen können die widerstandsfähigen Viren haften bleiben. Besonders riskant ist importierte Nahrung."

Für Menschen ist die Schweinepest harmlos. Ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit überrascht aber auch Experten. Darum, so kritisiert Herzog, scheine nun bei der Jagd auf Wildschweine fast jedes Mittel recht: "Länderübergreifend wird der Einsatz von Nachtzielgeräten, Taschenlampen und Schalldämpfern propagiert." Die Jagd, so warnt der Professor von der TU Dresden, dürfe nicht "zu einer Art radikaler Schädlingsbekämpfung" verkommen. "Wer unter Einsatz von Lampen und Nachtsichttechnik im Finsteren herumballert, der raubt allen Wildtieren ihre wenigen, dringend benötigten Ruhephasen in mondlosen, dunklen Nächten. Das gefährdet das Tierwohl und provoziert ganz nebenbei enorme Waldschäden."

Ohnehin sei es eine Illusion, verstärkte Jagd könne die Schwarzwildbestände nachhaltig reduzieren. "Das ist irreführende Propaganda. Und sie wird immer wieder aufgewärmt." Die Wildschweinbestände wüchsen trotz intensiver Bejagung, weil riesige Raps- und Maisfelder üppiges Mastfutter und gute Verstecke böten. "Das Hauptproblem liegt nahezu ausschließlich bei der Landwirtschaft und der Politik, die großflächigen Mais- und Rapsanbau für Biogas und Biosprit subventioniert."

Ausländische Investoren drängen auf deutschen Immobilienmarkt

Ausländische Investoren drängen auf deutschen Immobilienmarkt

Im vergangenen Jahr kam bei großen Immobiliendeals in Deutschland mehr als jeder zweite Euro von Kapitalgebern aus dem Ausland. Das hat eine Auswertung der Marktforschungsgesellschaft des "Verbandes deutscher Pfandbriefbanken" für die Wochenzeitung DIE ZEIT ergeben. Analysiert wurden sämtliche große Immobiliendeals jenseits von zehn Millionen Euro. Demnach sind 59,4 Milliarden Euro in den Kauf deutscher Gebäude geflossen. 30,2 Milliarden Euro davon kamen von Kapitalgebern aus dem Ausland.

Das Investitionsvolumen ist in den vergangenen Jahren zudem stark gestiegen. 2010 betrug es erst 20,5 Milliarden Euro. Dass es auch 2017 gegenüber 2016 leicht angestiegen ist, ist vor allem auf ausländische Kapitalgeber zurück zu führen. Dass sie so stark in Immobilien in Deutschland investieren, trage dazu bei, dass die Kaufpreise steigen, so Stefan Kofner, Professor für Wohnungs- und Immobilienwirtschaft an der Hochschule Zittau/Görlitz. "Am Ende merkt das dann auch die Familie, die ein Einfamilienhaus am Stadtrand erwerben will."

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister fordert in der ZEIT stärkeres Europa-Engagement der nächsten Bundesregierung

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister fordert in der ZEIT stärkeres Europa-Engagement der nächsten Bundesregierung

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister stellt hohe Ansprüche an die Bundesrepublik. Im ZEIT-Interview formuliert Bruno Le Maire die Pariser Erwartungen an eine mögliche Große Koalition in Berlin. "Wir erwarten von Deutschland, dass es mitzieht, indem es eine offensivere Lohnpolitik verfolgt und mehr investiert", so Le Maire.

Frankreich gehe auf Deutschland schon zu, "indem es seinen europäischen Verpflichtungen nachkommt, Staatsausgaben abbaut und den wirtschaftlichen Wandel vorantreibt".

Zugleich betont er, wie wichtig die deutsch-französische Kooperation für die Zukunft Europas ist: "Nur wenn wir Hand in Hand mit Deutschland vorangehen, haben wir eine Chance, einen europäischen Kontinent zu bauen, der China und den USA standhalten kann. Das ist unsere historische Herausforderung."

Auch zu den aktuellen Sondierungsgesprächen in Berlin nimmt Le Maire Stellung und drängt CDU, CSU und SPD zur Eile. "Je schneller wir eine solide deutsche Regierung haben, desto besser für Frankreich", sagt der Doppelminister.

Le Maire will schnell an der Beziehung beider Länder arbeiten, die in Routine erstarrt sei. "Die deutsch-französische Beziehung muss erneuert werden, und zwar sofort. Wir brauchen wieder gemeinsame Ziele, die unseren eigenen Horizont übersteigen", fordert der Politiker.

Ex-Lageso-Chef warnt: „Es könnte nochmal knallen“

Ex-Lageso-Chef warnt: "Es könnte nochmal knallen"

Der ehemalige Lageso-Chef Sebastian Muschter warnt, die berüchtigte Berliner Flüchtlingsbehörde könne unter einem neuen Flüchtlingsansturm erneut zusammenbrechen: "Es könnte nochmal knallen", sagt Muschter in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Zwar sei das Amt inzwischen erheblich besser aufgestellt als 2015 und 2016, die strukturellen Probleme der Verwaltung seien aber geblieben – und hätten ihre Wurzeln in den "massiven Kürzungswellen" in den Jahren zuvor. "Da fielen extrem viele Stellen weg, die Verwaltung wurde auf eine fiese Art ausgehöhlt."

Im Lageso hätte die Behördenleitung schon 2014 absehen können, dass das Amt mit den steigenden Flüchtlingszahlen nicht Schritt halten konnte. Ein vorausschauendes Management habe "völlig gefehlt". "Das war ein klares Versäumnis", sagt Muschter, der das Lageso im Jahr 2016 führte und zuvor Leiter des Bereichs Öffentlicher Sektor bei der Unternehmensberatung McKinsey war. "Ich werfe das niemand persönlich vor, aber im Grunde hätte sich der Behördenleiter am Tor des Lageso festketten und dem Senat signalisieren müssen: So geht es nicht weiter, die Behörde wird explodieren!"

Muschter fordert, dass auch andere Behörden besser für die Zukunft planen. Es fehle "überall dort, wo wir Dienst am Bürger machen, an Personal: Wir haben zu wenige Leute in den Bau- und Jugendämtern, zu wenige Lehrer und Polizisten. Gleichzeitig sitzen zu viele im Backoffice, also in der Verwaltung der Verwaltung."

Muschter beklagt die Angstkultur in den Behörden. Statt für Probleme kreative Lösungen zu finden, klammerten sich Beamte an enge Vorschriften – auch weil sie fürchteten, Regeln zu verletzen und deshalb unter Korruptionsverdacht zu geraten. "Korruption ist nicht unser Problem, sondern eher, dass aus Angst vor Rechtsbruch und Korruption zu wenige Fehler gemacht werden."

Aus Gründen der Effizienz müsse der Staat in Kauf nehmen, dass er mitunter mehr Geld als nötig ausgibt. "Ich finde es völlig okay, wenn ein kleiner Teil der Staatsausgaben verschwendet wird", sagte Muschter der ZEIT. "Wir sollten zum Beispiel aufhören, von Hartz-IV-Empfängern diese winzige Summen zurückzufordern." Damit erspare sich der Staat immer neue Klagewellen.

Fotografin Nan Goldin attackiert Mäzenatenfamilie Sackler: Schuld an Drogensucht

Fotografin Nan Goldin attackiert Mäzenatenfamilie Sackler: Schuld an Drogensucht

"Ich bin beinahe gestorben", sagt Nan Goldin, eine der bekanntesten Fotografinnen der Welt, über die Folgen ihrer Abhängigkeit vom Schmerzmittel Oxycontin in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und kündigt an, gegen die Familie Sackler und ihr Unternehmen Purdue Pharma vorzugehen. Der Fotografin wurde das Mittel 2014 vor einer Operation in Berlin verschrieben. "Die Gefahren der Abhängigkeit wurden von den Herstellern jahrelang kleingeredet, sie haben Oxycontin massiv beworben", so Goldins Vorwurf.

"Die Sacklers sind Kunstmäzene, sie haben viele Millionen Dollar von dem Vermögen, das sie mit dem Verkauf des Mittels verdient haben, an Museen gespendet und so versucht, sich weißzuwaschen", sagt Goldin. Einer von ihr gegründeten Initiative gehe es darum, dass Museen und kulturelle Institutionen in Zukunft kein Geld mehr von den Pharmaunternehmern akzeptieren: "Wir fordern, dass die Sacklers Geld in die Lösung jener Probleme stecken, die sie mit ihren Produkten geschaffen haben. Sie sollen in Suchtzentren, Bildung und Drogenprävention investieren."

Die Oxycontin-Krise ist in den USA zu einer Epidemie herangewachsen. Seit der Einführung 1996 sollen in den Staaten mehr als 180.000 Menschen an den Folgen ihrer Abhängigkeit von verschiedenen Opioiden gestorben sein, Präsident Trump rief im vergangenen August den nationalen Notstand aus. Der Hersteller Purdue verweist auf seine Maßnahmen gegen den Missbrauch des verschreibungspflichtigen Schmerzmittels.

Bestseller Autor Michael Wolff wollte positives Buch über Trump schreiben

Bestseller Autor Michael Wolff wollte positives Buch über Trump schreiben

Der New Yorker Reporter Michael Wolff, der in seinem Bestseller "Fire and Fury" Donald Trump die geistigen Fähigkeiten zur Führung des Landes abspricht, wollte ursprünglich eine Erfolgsgeschichte über den US-Präsidenten schreiben: "Ich war absolut bereit, ein anderes Buch zu schreiben, eines, in dem Trump ein erfolgreicher Präsident ist. In gewisser Hinsicht hätte mir das sogar mehr Spaß gemacht, denn es wäre das Überraschendere gewesen. Aber dafür habe ich keinerlei Anzeichen gefunden", sagt Wolff in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Wolff beschreibt in dem Gespräch das Verhältnis des US-Präsidenten zu seinen engsten Mitarbeitern: "Ich denke, die meisten wollen einfach das Schlimmste verhindern. Sie sind da, um diesen Typen irgendwie auf einem engen, klaren Pfad zu halten. Die Mitarbeiter versuchen, Trump zu kontrollieren, obwohl sie wissen, dass sie ihn nicht kontrollieren können." Trumps Mitarbeiter seien "keine Menschen, die den Mann, für den sie arbeiten, bewundern. Seine Mitarbeiter sehen ihren Job mehr oder weniger darin, das Land vor ihm zu beschützen", sagt Wolff.

Angesprochen auf die mentalen Probleme, die er bei Trump beobachtete, erklärt Wolff: "Wenn Sie mit einem Menschen sprechen, der sich immer und immer wieder wiederholt, dann ist das meiner Meinung nach alarmierend." Auf die Frage, ob er glaube, der US-Präsident leide an Demenz, antwortet Wolff: "Das kann ich nicht sagen, ich bin kein Arzt."

Seine Recherche-Methode beschreibt Wolff als eher passiven Vorgang: "Wenn ich ganz ehrlich bin, ich stellte nicht einmal Fragen. Ich saß da auf der Couch im Eingangsbereich des West Wing, wartete auf meinen Termin, beobachtete und hörte zu. Ich war wie ein schwarzes Loch, ich zog es einfach alles in mich hinein."

In dem Interview kritisiert Wolff auch die Versuche amerikanischer Journalisten, sich Trump und seiner Politik zu nähern: "Es ist meiner Meinung nach ein Fehler, Trump verstehen zu wollen, indem man darüber berichtet, wie er die Gesundheitsreform angeht. Das ist nicht die Geschichte. Die Washingtoner Journalisten haben von Anfang an nicht gewusst, wie sie über Donald Trump berichten sollen."

Wolff zeigt sich in dem Gespräch völlig überrascht von der Wirkung seines Buches: "Ich bin schon von dem, was bislang passiert ist, völlig überrascht. Es ist immerhin nur ein Buch", so Wolff.

In dem Interview beschreibt Wolff, wie es ihm gelang, das Vertrauen des Präsidenten zu gewinnen und viele Wochen weitgehend unbehelligt im Weißen Haus zu recherchieren. Er erläutert, welche Rolle Rupert Murdoch beinahe gespielt hätte und wie er auf die Kritik der New York Times an seinem Buch reagiert.