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DIE ZEIT Nr. 41 vom 29. September 2016

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Der umstrittene Prediger Fethullah Gülen: "Ich verurteile jeglichen Terror"

Der umstrittene Prediger Fethullah Gülen: "Ich verurteile jeglichen Terror"

Der Prediger Fethullah Gülen, 78, kritisiert den türkischen Präsidenten für seine Anschuldigungen gegen die Gülen-Bewegung: "Wer andere Menschen Terroristen nennt, obwohl sie Frieden predigen, ist selbst ein Terrorist." Im Interview mit der ZEIT sagt Gülen, er fühle sich schikaniert. "In der Türkei war ich ein staatlich lizensierter Prediger. Aus meinen Predigten entstanden über 70 Bücher, in denen Sie nachlesen können: Ich verurteile jeglichen Terror."

Gülen widerspricht auch der Beschuldigung, ein Islamist zu sein: "Ich habe den politischen Islam immer abgelehnt. Wer Politik und Religion vermischt, schadet beidem – aber der Religion besonders."

Um den Islam mache er sich Sorgen: "Vielleicht haben wir Muslime etwas falsch gemacht. Vielleicht will Gott uns jetzt strafen. Gott weiß es, wir nicht. Wir Muslime werden unsere Probleme jedenfalls nicht allein lösen, sondern brauchen die Unterstützung der demokratischen Staaten." Der Islam sei "keine Regierungsform. Er leitet seine Anhänger natürlich auch in ihren politischen Entscheidungen. Doch jeder Muslim muss frei entscheiden dürfen, ohne Zwang."

Gülen sagt über sein Exil in den USA: "Ich (…) vermisse die Türkei jeden Tag." In Pennsylvania habe er zwar Frieden gefunden. "Doch das Heimweh bleibt."

Auf die Frage, was er bereue, sagt der Prediger, er habe früher "zu pauschal den Westen verurteilt. Heute sehe ich das anders." Persönliche Begegnungen mit Christen und Juden hätten ihn "gelehrt, mein Denken zu korrigieren. In jeder Religion gibt es Menschen, die ein schlechtes Beispiel abgeben, und andere, die ein gutes Beispiel sind. Es kommt nicht darauf an, ob einer Muslim ist, sondern darauf, wie er handelt."

Regierung bereitet Notfallplan für Deutsche Bank vor

Regierung bereitet Notfallplan für Deutsche Bank vor

Allen öffentlichen Dementis zum Trotz bereiten die Bundesregierung und zuständige Finanzaufsichtsbehörden einen Rettungsplan für eine Schieflage der Deutschen Bank vor. Nach Informationen der Wochenzeitung DIE ZEIT arbeiten hochrangige Beamte in Berlin, Brüssel und Frankfurt gerade an einem entsprechenden Konzept. Es soll in Kraft treten, falls die Deutsche Bank zusätzliches Kapital benötigt, um ihre zahlreichen Rechtsstreitigkeiten beizulegen – und sich diese Mittel nicht selbst am Markt besorgen kann.

In der Bundesregierung wird befürchtet, dass es zu einer solchen Situation kommen könnte, wenn das amerikanische Justizministerium sich unnachgiebig zeigt. Es hat der Deutschen Bank eine Strafe von 14 Milliarden Dollar für krumme Hypothekengeschäfte angedroht.

Der Rettungsplan sieht vor, dass die Deutsche Bank im Fall der Fälle Teile ihres Geschäfts an andere Finanzinstitute verkauft. Die Preise würden so gesetzt, dass die Deutsche Bank dadurch entlastet würde und keine zusätzlichen Löcher in die Bilanz des Geldhauses gerissen würden. Das könnte passieren, wenn die Unternehmensteile deutlich unter Wert verkauft werden müssten. Zur Not könnten die Transaktionen durch staatliche Garantien abgesichert werden.

Im äußersten Notfall würde sich auch der Staat direkt an der Bank beteiligen. In Teilen der Bundesregierung wird zwar der Einsatz des europäischen Abwicklungsmechanismus favorisiert, der für die Sanierung Not leidender Banken vorgesehen ist. Allerdings würden dann auch Gläubiger und Kunden an den Kosten beteiligt, was zu neuen Unruhen an den Finanzmärkten führen könnte. Deshalb ist auch eine Bundesbeteiligung in Höhe von 25 Prozent im Gespräch. Bislang handelt es sich allerdings nur um Planspiele. Die Regierung hofft weiterhin darauf, dass die Bank ohne Unterstützung auskommt.

Direkte Interventionen bei der amerikanischen Justiz werden in deutschen Regierungskreisen als potenziell kontraproduktiv angesehen, weil sie dazu führen könnten, dass die US-Behörden dies nicht gutheißen und ihre Linie noch verschärfen.

Flüchtlingsstudie: Integration in Arbeitsmarkt bleibt schwierig

Flüchtlingsstudie: Integration in Arbeitsmarkt bleibt schwierig

Viele Länder in Europa versuchen auf unterschiedliche Weise Flüchtlinge in ihre Arbeitsmärkte zu integrieren. Doch bisher ist kein Land dabei so erfolgreich, dass es als mustergültig gelten könnte. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz, über die die Wochenzeitung DIE ZEIT berichtet.

Selbst Länder wie Schweden und Dänemark, die Flüchtlinge in mehrjährigen Integrations- und Sprachkursen schulten, seien nicht überdurchschnittlich erfolgreich. So seien drei Jahre nach ihrer Ankunft in Schweden nur 26 Prozent der Kursteilnehmer erwerbstätig, in Dänemark seien es 29 Prozent. In Deutschland hätten – ohne vergleichbar aufwändige Förderprogramme – aber ebenfalls etwa 30 Prozent der Asylsuchenden nach drei Jahren eine Beschäftigung. Bis aber tatsächlich ebenso viele der Flüchtlinge berufstätig sind wie Einheimische, vergingen nach Angaben der OECD, die die ZEIT zitiert, in der Vergangenheit im Durchschnitt in Europa 20 Jahre. Ob sich diese lange Zeit bis zur vollen Integration in den Arbeitsmarkt verkürzen lässt, ist unklar. In der Studie aus Florenz, die von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben wurde, lautet das Fazit: "Eine Patentlösung ist nicht in Sicht."

Einige hundert Asylanträge von Anhängern der Gülen-Bewegung in Deutschland

Einige hundert Asylanträge von Anhängern der Gülen-Bewegung in Deutschland

Einige hundert Anhänger der türkischen Gülen-Bewegung haben in Deutschland Asyl beantragt. Das berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT unter Berufung auf den Leiter der Stiftung "Dialog und Bildung" in Berlin, Ercan Karakoyun, der die Bewegung in Deutschland vertritt. Gleichzeitig verzeichnen Schulen, die zum Netzwerk des islamischen Predigers in Deutschland gehören, vermehrt Abmeldungen von Schülern. In der BiL-Schule in Stuttgart zum Beispiel haben zum neuen Schuljahr 65 Eltern ihre Kinder von der Schule genommen. Viele Eltern würden von Nachbarn oder Verwandten unter Druck gesetzt, heißt es.

Die türkische Regierung beschuldigt den in den USA lebenden Gülen, der Drahtzieher des Putsch vom vergangenen Juli zu sein. Die Anhänger des islamischen Predigers werden seitdem innerhalb wie außerhalb der Türkei verfolgt. In Deutschland kursieren unter anderen Boykottlisten mit Namen von Ärzten, Restaurantbesitzern und Geschäftsleuten, die angeblich mit der Gülen-Bewegung sympathisieren.

Porschechef Blume: „Ich finde es mutig und innovativ, was Tesla macht“

Porschechef Blume: "Ich finde es mutig und innovativ, was Tesla macht"

Porschechef Oliver Blume spornt der Aufstieg des Elektroautobauers Tesla an. Der ZEIT sagt Blume: "Ich finde es mutig und innovativ, was Tesla macht. Das hat die Autoindustrie enorm in Bewegung gebracht." In der geringen elektrischen Reichweite von Hybrid-Porsche-Modellen sieht Blume kein Problem: "Mit dem neuen Panamera E Hybrid fahren Sie 50 Kilometer. Für viele reicht das. Bei längeren Strecken muss der Verbrennungsmotor ran. Wenn wir Ende des Jahrzehnts ein reines Elektroauto bauen, dann reden wir über eine Distanz von 500 Kilometern am Stück."

Vor allem in China würden die Porschefahrer weiblicher: "In Amerika und Europa überwiegen die männlichen Fans. In China werden unsere Fahrzeuge immer mehr von jungen Frauen gefahren."

Der Nutzen vollautonomer Fahrzeuge sei für seine Kunden begrenzt, sagt Blume. "Einen Porsche will man selbst fahren, auch in Zukunft." Dennoch könnten die Fahrer profitieren: "Stellen Sie sich vor, Sie haben sich abends in der Stadt verabredet, wollen essen gehen. Es ist alles dicht zugeparkt. Sie sind knapp in der Zeit. Sie halten vor dem Restaurant an, steigen aus, das Fahrzeug sucht sich selbst einen Parkplatz, und wenn Sie wieder rauskommen, steht das Auto vollgetankt und gewaschen da. Oder nehmen wir mal an, Sie fahren im Stau zur Arbeit und haben Lust, einen Blick in die Zeitung zu werfen – und das Auto chauffiert Sie durch den Verkehr."

Der Skandal um die Dieselfahrzeuge sei auch für ihn "sehr überraschend" gekommen. "Was da passiert ist, ist nicht zu entschuldigen. Deutlicher kann ich es nicht sagen."Den Unmut mancher Porschefahrer könne er nachvollziehen. "Als Kunde wäre ich enttäuscht. Wir kooperieren vollumfänglich mit den Behörden, um den Sachverhalt rückhaltlos aufzuklären, nachdem wir am 2. November vergangenen Jahres von den Vorwürfen der amerikanischen Umweltbehörde EPA bezüglich des Porsche Cayenne Diesel erfahren haben. Vor diesem Hintergrund haben wir den Verkauf von Cayenne-Diesel-Fahrzeugen in den USA und Kanada vorsorglich und freiwillig gestoppt."

Martin Winterkorn habe Blume "als ausgezeichneten Ingenieur erlebt, der viel für den Volkswagen-Konzern geleistet hat."

Mehrheit der Deutschen lehnt lebensverlängernde Technik ab

Mehrheit der Deutschen lehnt lebensverlängernde Technik ab

77 Prozent der Deutschen lehnt den Einsatz von technischen Hilfsmitteln ab, um ihr Leben zu verlängern, wenn damit ein Verlust von Würde einhergeht. Das geht aus der großen  "Vermächtnis-Studie" hervor, für die DIE ZEIT, infas und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung über 3000 Menschen befragt hat. Dabei zeigte sich, dass insbesondere ältere Menschen sich skeptisch gegenüber lebensverlängernder Technik zeigten. Bei ihnen wächst die Entschiedenheit mit Blick auf ihre Nachwelt: 80 Prozent der Über-65-Jährigen empfehlen als "Vermächtnis" an kommende Generationen klar, lieber auf lebensverlängernde Technik zu verzichten, um würdevoll zu sterben.

Kapitän Schwandt wirft deutschen Reedern „subtile Sklavenhaltung“ vor

Kapitän Schwandt wirft deutschen Reedern "subtile Sklavenhaltung" vor

"Die armen Schweine von Seeleuten", sagt Jürgen Schwandt alias Kapitän Schwandt. Im Interview mit der ZEIT:Hamburg kritisiert der 80-jährige Blogger und einstige Kapitän die Ausbeutung von Schiffspersonal: "Die fahren zu Dumpinglöhnen." Besonders schlimm träfe es "erwachsene Männer, die für zwei, drei Dollar im Monat" auf den Kiribati-Inseln anheuerten: "Die deutschen Reeder haben auf Kiribati eine Seefahrtschule gegründet. Da kriegen die Männer das notdürftigste Englisch beigebracht und ein paar Knoten. Das ist subtile Sklavenhaltung." Die Seefahrt heute habe nichts mehr mit der Seefahrt von damals zu tun, bedauert der einstige Kapitän.

Schwandt fuhr fast 20 Jahre zur See, bevor er 1971 zur Wasserpolizei wechselte. Mit 80 Jahren bloggt er auf Facebook gegen Fremdenhass und Rechtsradikalismus, seine Biografie "Sturmwarnung" steht seit Monaten auf den Bestseller-Listen.

Die Schriftsteller Julian Barnes und Ian McEwan im ZEIT-Doppelinterview: McEwan: „Vom elften bis sechzehnten Lebensjahr war ich irgendwie tot“ Barnes: „Ich habe meine Eltern über meinen wirklichen Zustand belogen“

Die Schriftsteller Julian Barnes und Ian McEwan im ZEIT-Doppelinterview:McEwan: "Vom elften bis sechzehnten Lebensjahr war ich irgendwie tot"Barnes: "Ich habe meine Eltern über meinen wirklichen Zustand belogen"

Die großen englischen Schriftsteller Julian Barnes, 70, und Ian McEwan, 68, haben zum ersten Mal in ihrer Karriere ein gemeinsames Interview gegeben. Die beiden Schriftsteller, die seit langem befreundet sind, sprechen in der Wochenzeitung DIE ZEIT über quälende Phasen der eigenen Kindheit und das Glück der literarischen Arbeit: "Vom elften bis zum sechzehnten Lebensjahr war ich irgendwie tot", erklärt McEwan, vielfach ausgezeichneter Autor von Werken wie "Abbitte", "Honig" und "Kindeswohl". "Ich war im Internat, 2000 Meilen weit weg von zu Hause. Die Bindung zu meiner Mutter war sehr eng. Es war ein Schock, nicht mehr bei ihr zu sein." Mc Ewan  weiter: "Ich zog mich vollständig in mein Inneres zurück, um zu überleben."

Niemals, so McEwan, wäre er in der Lage gewesen, seine Eltern über seinen  Zustand in Kenntnis zu setzen: "Das wäre mir wie Verrat an meinen Eltern vorgekommen. (…) Kinder in den fünfziger Jahren waren nicht in der Lage, den Erwachsenen ins Gesicht zu sagen: Ich bin unglücklich. (…) Jungs taten es schon gar nicht."

Auch Julian Barnes, Autor von Werken wie "Flauberts Papagei", "Darüber reden" und "Vom Ende einer Geschichte", sagt: "Ich habe meine Eltern über meinen wirklichen Zustand belogen. Ich sagte: Wir gaben heute Rugby gespielt. Und es ging 33 zu null aus – solche Sachen. Und beinahe hätte ich einen try erzielt. Was ich nicht erzählte, war: Dieser eine Junge hätte mir fast die Hosen runtergezogen im Southern Region Train. Und vor allem habe ich nicht gesagt: Eigentlich bin ich unglücklich." Noch als Mann in seinen Dreißigern, so Barnes, habe er unter extremer Schüchternheit gelitten und sei vor Angst erstarrt, wenn er zum öffentlichen Sprechen gezwungen wurde. "Also habe ich mir die Theorie zurechtgelegt, dass das Schreiben meine Rettung war: meine Art, mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen."

Recherche von DIE ZEIT und ZDF-Magazin Frontal21: Tausende E-Mails aus der Ostukraine belegen ausgeklügelte Propagandastrategie gegen den Westen

Recherche von DIE ZEIT und ZDF-Magazin Frontal21: Tausende E-Mails aus der Ostukraine belegen ausgeklügelte Propagandastrategie gegen den Westen

Berlin/Hamburg. Pro-russische Separatisten, die Teile der Ostukraine beherrschen, führen im Auftrag von Moskauer Beratern einen Propagandafeldzug gegen die Regierung in Kiew und gegen den Westen. Dies geht aus Tausenden E-Mails hervor, die dem ZDF-Magazin Frontal21 und der Wochenzeitung DIE ZEIT vorliegen. Die Moskauer Berater, die diese psychologische Kriegsführung steuern, gehören offenbar zum Umfeld des Kremls oder zur Präsidialadministration von Wladimir Putin. Der russische Präsident hatte bisher immer bestritten, die Separatisten in der Ostukraine erhielten Weisungen aus Moskau.

In einem 41-seitigen Strategiepapier geben die russischen Berater detailliert vor, wie die Medien in der Ostukraine die gewählte Regierung diskreditieren und die USA als Urheber des Ukrainekonflikts beschrieben werden soll.

Unter anderem soll eine "Kommentargruppe für das Internet gegründet" werden, um in sozialen Medien wie Facebook für Russland Partei zu ergreifen. Aufgrund der Intensität ihrer Arbeit soll der Eindruck entstehen, dass "eine Mehrheit" so denkt. Außerdem belegen die Donezk-Leaks, dass kritische Journalisten mit Repressalien rechnen müssen. Die Separatisten werten dazu systematisch die internationale Berichterstattung aus und legen sogenannte "Stopplisten" an. Betroffen sind zum Beispiel die Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press. In den Donezk-Leaks werden sie: "als ausgemachte Feinde Russlands aufgeführt".

Das rund elf Gigabyte große Daten-Leak stammt aus dem Informationsministerium der Separatisten in der Ostukraine. Vom E-Mail-Account der Ministerin Elena Nikitina waren im Frühjahr dieses Jahres rund 10 000 E-Mails abgeflossen. Mutmaßlich pro-ukrainische Aktivisten haben sie ins Netz gestellt. Ein Team des ZDF-Magazins Frontal21 und der Wochenzeitung DIE ZEIT hat es über Monate ausgewertet.

Die Recherchen zeigen, dass die verdeckt agierenden Berater der Separatisten in kremlnahen Think Tanks wie dem "Zentrum für politische Konjunktur" in Moskau arbeiten. Einige Mails weisen zudem direkt in die "Präsidialadministration". Sie ist das Moskauer Pendant zum Berliner Kanzleramt.

Die russische Botschaft in Berlin hat auf Fragen zu den Recherchen nicht reagiert.

Lady Gaga: „Ich war immer dagegen“

Lady Gaga: "Ich war immer dagegen"

Die Popsängerin Lady Gaga kennt sich selbst nur als Rebellin: "Ich war immer dagegen. Ich war immer ein bisschen anders. Das ist einfach Teil meiner rebellischen Natur. Ich muss dagegen sein, sonst langweile ich mich", so der US-Star im ZEITmagazin. "Mich hat es nie so furchtbar beschäftigt, eine große Sex-Ikone zu sein, zumindest nicht in den Grenzen, die die Mainstream-Kultur dafür vorgesehen hat."

Lady Gaga, die eigentlich Stefani Germanotta heißt, ist als Tochter italoamerikanischer Eltern in New York aufgewachsen – seit ihr 2008 der Durchbruch gelang, erscheint sie in immer neuen Selbstinszenierungen. "Ich fühle keinen Druck mehr, ein besonderes Image zu erfüllen, das die Leute von mir haben", erklärt die 30-Jährige. "Ich möchte nicht gebrandet werden. Ich bin keine Marke. Ich bin ein Mensch."

Verleger Michael Krüger musste sich als Pensionär „neu erfinden“

Verleger Michael Krüger musste sich als Pensionär  "neu erfinden"

Der frühere Verleger und Autor Michael Krüger, musste sich nach 45 Jahren im Verlag gewaltig umstellen: "Es war ein fast unmöglicher Kraftakt. Ich musste mich neu erfinden", so der 73-jährige ehemalige Verleger des Carl Hanser Verlags im ZEITmagazin. Er habe das Gefühl gehabt, die einfachsten Dinge des Alltags nicht allein zu bewältigen: "Von der richtigen Behandlung eines Computers bis zur Erstellung einer Rechnung. Man resigniert, lässt vieles einfach liegen." Geschafft habe er es nur mit Unterstützung: "Zum Glück hilft mir jetzt meine früherer Mitarbeiterin wieder. Ich hätte es sonst nicht durchgestanden."

Er habe viel Glück im Leben gehabt und gebe das auch sehr gerne zu, erzählt er im Interview. "Ich habe nicht studiert, sondern nach der Schule eine Doppellehre als Verlagsbuchhändler und Drucker begonnen. Meine Universität war meine Zeit in London", so Krüger.

Petula Clark sucht einen Platz, an dem sie zur Ruhe kommen kann

Petula Clark sucht einen Platz, an dem sie zur Ruhe kommen kann

Die Sängerin Petula Clark, 83, sucht einen Rückzugsort: "Nachdem ich mein Leben lang an vielen verschiedenen Orten auf der Welt gelebt habe und ausgiebig gereist bin, träume ich nun davon, einen Platz zu finden, an dem ich zur Ruhe kommen kann", sagt Clark dem ZEITmagazin. "Ich habe in Villen gelebt, Personal gehabt, bin im Rolls-Royce herumgefahren", so Clark weiter. All das liege jetzt hinter ihr: "Tagelang lasse ich nun meine Gedanken in Tagträumen treiben, auf der Suche nach einem Winkel in dieser Welt, der zu mir passt", sagt sie. Gern hätte sie "das Landleben und dazu in der Nähe die Vorteile der Großstadt. Ein kleines, charmantes Haus mit Garten und schöner Aussicht. England mit gutem Wetter, das wäre ein Traum!"

Hochhuth würde den „Stellvertreter“ heute radikaler schreiben

Hochhuth würde den "Stellvertreter" heute radikaler schreiben 

Der Dramatiker Rolf Hochhuth würde sein bekanntestes Werk "Der Stellvertreter" heute noch radikaler schreiben. Inzwischen sei bekannt, dass der Vatikan über die Judenverfolgung viel genauer informiert war, als er das 1960 während seiner Studien in Rom habe erfahren können, schreibt Hochhuth in der ZEIT-Beilage Christ & Welt. 

Die Uraufführung des Stücks 1963 in Westberlin sei ein Skandal gewesen, der zu internationalen Verwicklungen geführt habe, erinnert er sich in seinem Gastbeitrag. "In Basel und New York gab es Fackelzüge gegen das Stück. In Paris, wo es mehr als doppelt so oft gespielt wurde wie in der gesamten Bundesrepublik, konnte ebenso wie in Basel nur bei Licht gespielt werden. Immer war die Polizei nicht nur vor dem Theater, sondern auch auf der Bühne präsent, um die Schauspieler zu schützen." 

Auch der Vatikan war laut Hochhuth offenbar alles andere als angetan von dem Stück. "Hannah Arendt, deren Essay in der ‚New York Times’ ich allein verdanke, dass mein Stück am Broadway möglich wurde, überlieferte, der Nachfolger von Pius, Johannes XXIII., habe auf die Frage, was man gegen den ‚Stellvertreter’ tun könne, lapidar geantwortet: ‚Nichts, gegen die Wahrheit kann man nichts tun.’"

Rolf Hochhuth, Jahrgang 1931, setzte sich kritisch mit der deutschen Nazivergangenheit auseinander.  Sein Drama "Der Stellvertreter" wurde in über 25 Ländern aufgeführt.

Burkhard Schwenker: „Wir haben die Verpflichtung zu helfen“

Burkhard Schwenker: "Wir haben die Verpflichtung zu helfen"

Der Aufsichtsratschef von Roland Berger, Burkhard Schwenker, spricht sich in einem Interview mit der ZEIT für ein noch größeres zivilgesellschaftliches Engagement für die Integration der Flüchtlinge aus.

Seit einem Jahr ist Schwenker selbst Pate eines afghanischen Flüchtlings. "Der Staat allein kann das nicht schaffen – das sollte er viel offener kommunizieren", so Schwenker. Nach seiner Erfahrung brauche jeder Flüchtling einen freiwilligen Paten, der ihn intensiv unterstützt, um sich in Deutschland zurechtzufinden. "Für Flüchtlinge ist hier alles anders: Sprache, Kultur, Arbeitswelt, Technologie. Das würde auch jeden von uns überfordern." Er spricht sich zudem dafür aus, dass alle Flüchtlinge unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus sofort Deutschkurse bekommen sollten: "Jeder verschenkte Tag rächt sich später, weil er die Integration erschwert. Selbst wenn ein Drittel der Leute Deutschland wieder verlassen und man ihnen sozusagen ‚umsonst‘ Deutsch beigebracht hat, wird es sich beim Rest auszahlen."

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt plädiert Schwenker dafür, Ausbildungen für Flüchtlinge etwas anzupassen: "Ich wäre dafür, bei Flüchtlingen stärker zu differenzieren, in einen praktischen und einen später nachgeschobenen theoretischen Teil. (…) Das ermöglicht ihnen Erfolgserlebnisse und verschafft ihnen gleichzeitig mehr Zeit, Deutsch zu lernen und Bildungslücken zu schließen." Insgesamt erwarte er durch die Flüchtlinge keinen positiven Effekt auf die Wirtschaft, so Schwenker. Es sei jedoch müßig, über vergangene Entscheidungen wie die Grenzöffnung im vergangenen Jahr zu diskutieren: "Die Menschen sind hier, und wir haben die Verpflichtung, ihnen zu helfen und für alle das Beste aus der Situation zu machen."