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DIE ZEIT Nr. 28 vom 30. Juni 2016

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Hasselfeldt: Gemeinsames Wahlprogramm von CDU und CSU plus Bayernplan

Hasselfeldt: Gemeinsames Wahlprogramm von CDU und CSU plus Bayernplan

Die CSU will nun doch auf ein komplett eigenes Wahlprogramm für die Bundestagswahl im kommenden Jahr verzichten, erklärt die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Gerda Hasselfeldt in der Wochenzeitung DIE ZEIT: "Ich gehe davon aus, dass wir gemeinsam marschieren und die Wähler mit einem gemeinsamen Wahlprogramm von uns überzeugen", so Hasselfeldt. Daneben werde es, wie auch in vorangegangenen Jahren, einen "Bayernplan" geben, um "eigene Akzente zu setzen", so Hasselfeldt weiter. Darin könnten durchaus auch Punkte untergebracht werden, über die es mit der CDU keine Einigung gebe.

Mutmaßlicher bin-Laden-Leibwächter: „Gefährlich soll ich sein?"

Mutmaßlicher bin-Laden-Leibwächter: "Gefährlich soll ich sein?"

Der in Deutschland lebende Tunesier Sami A. bestreitet den Verdacht der Bundesanwaltschaft der Leibwächter des ehemaligen Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden gewesen zu sein: "Gefährlich soll ich sein?", entgegnete Sami A. auf Anfrage der Wochenzeitung DIE ZEIT. Er sei weder in Afghanistan gewesen noch habe er bin Laden als Leibwächter gedient, so Sami A.: "Wie auch, mit meinen gerade einmal 1,65 Metern?"

Er verstehe nicht, warum die deutschen Behörden ihn überhaupt verdächtigten. "Ich werde doch von morgens bis abends überwacht und muss mich seit zehn Jahren täglich zwischen 10 und 12 Uhr auf der Polizeiwache melden", so der 40-Jährige.

Die Stadt Bochum hatte 2006 eine Verlängerung von Sami A.s Aufenthaltserlaubnis wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung abgelehnt und ihn zur Ausreise aus Deutschland verpflichtet. Da ihm in Tunesien jedoch Folter droht, wird sein Aufenthalt seit zehn Jahren geduldet.

Leipziger OB Burkhard Jung bedauert: Deutschland hat eine Chance vertan

Leipziger OB Burkhard Jung bedauert: Deutschland hat eine Chance vertan

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bedauert, dass die Flüchtlingskrise Deutschland nicht flexibler gemacht hat. "Wir hatten eine Chance, aber ich fürchte, wir haben sie vertan", sagt Jung in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Der Verwaltungschef kritisiert, dass durch Rechtsvorschriften, die schnelle, pragmatische Reaktionen auf kommunaler Ebene weiterhin unmöglich sei. Beispielsweise bliebe die Freigabe ungenutzter Flüchtlingsunterkünfte für neue Zwecke rechtswidrig. "Wir könnten in den Unterkünften andere Menschen unterbringen: Studenten, Lehrlinge, Obdachlose. Für sie brauchten wir in Leipzig dringend Wohnraum. Nur: Das geht nicht. Denn die Ausnahmegenehmigung besteht ausschließlich für Flüchtlingsheime", so Jung. In den Rathäusern, kritisiert der Oberbürgermeister, herrsche angesichts der ständigen Sorge vor Haftungsfragen ein Klima, "in dem niemand mehr Verantwortung übernehmen mag".

Schulworkshop schafft mehr Bildungsgerechtigkeit

Schulworkshop schafft mehr Bildungsgerechtigkeit

Die Studienabsicht von Abiturienten aus bildungsfernen Familien kann durch Schulworkshops erheblich bestärkt werden. Das zeigen die neuen Ergebnisse des Berliner-Studienberechtigten-Panels (Best Up) vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, die der Wochenzeitung DIE ZEIT vorab vorliegen.

Die Forscher begleiteten über 1500 Jugendliche an 27 Berliner Schulen auf dem Weg zum Abitur. Ausgewählten Klassen boten sie Workshops über den Nutzen und die Finanzierung eines Studiums an. Die präsentierten Informationen ermutigten die Schüler, sich eher für ein Studium zu entscheiden. Ein Jahr nach dem Workshop planten 76 Prozent der Teilnehmer aus bildungsfernen Familien, sich an einer Hochschule einzuschreiben. Bei vergleichbaren Schülern, die keinen Workshop besucht hatten, waren es nur 64 Prozent.

Führende Pädagogin fordert Qualitätsstandards für Kitas

Führende Pädagogin fordert Qualitätsstandards für Kitas

Die Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München, Fabienne Becker-Stoll, fordert einheitliche Standards für Deutschlands Kitas. Man müsse sich "auf Qualitätsstandards einigen und diese dann evaluieren. Berlin hat über 1000 Kitas und überprüft sie alle fünf Jahre. Das könnte auch ein Modell für andere Bundesländer sein", so Becker-Stoll in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die letzte große nationale Studie zur Qualität in Krippen und Kindergärten habe gezeigt, dass über 80 Prozent aller Einrichtungen nur über eine mittelmäßige Qualität verfügen: "Von hervorragend bis grottenschlecht und kindeswohlgefährdend ist da leider alles dabei", so Becker-Stoll.

Auch die aus einer nicht repräsentativen ZEIT ONLINE-Umfrage gewonnenen Ergebnisse seien, so Becker-Stoll, nicht überraschend. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist." In der Leser-Umfrage berichteten Eltern und Kita-Mitarbeiter von permanentem Personalmangel, aber auch davon, dass Kinder etwa angeschrien oder zum Essen und Schlafen gezwungen werden. Vieles entspreche in Kitas nicht den Bedürfnissen der Kinder, so Becker-Stoll. Durch den massiven quantitativen Ausbau von Kita-Plätzen in den vergangenen Jahren sei die Debatte über die Qualität der Betreuung vernachlässigt worden.

Der Maßstab für die Qualität einer Kita sollte, so Becker-Stoll, allein das Wohlergehen des Kindes sein, "also all das, was das Kind tagtäglich am eigenen Leib erfährt". Wichtiger als Personalschlüssel und Ausstattung der Kita seien Fachkräfte, die in der Lage sind, feinfühlig auf sämtliche Bedürfnisse des Kindes zu reagieren. Die Expertin empfiehlt: "Wenn Kinder weinen, und keiner kümmert sich drum: ganz schlimm! Sofort abmelden."

Modedesigner Gosha Rubchinskiy: „Berlin erinnert mich an Russland“

Modedesigner Gosha Rubchinskiy: "Berlin erinnert mich an Russland"

Der 1984 in Moskau geborene Modedesigner Gosha Rubchinskiy lässt sich von Berlin inspirieren: "Berlin erinnert mich an Russland", sagt Rubchinskiy im ZEITmagazin. "Die Stadt ist nicht hübsch, sie hat eher etwas Kaltes an sich. Gleichzeitig habe ich dort immer das Gefühl, dass es unter der Oberfläche dampft und brodelt."

Über das Russlandbild des Westens wundert er sich: "Im Westen denken viele Leute, Russland läge in fremder Ferne", so Rubchinskiy. "Tatsächlich sind wir sehr europäisch. Ich habe immer das Gefühl, dass die Leute im Westen Angst vor Russland haben, weil es so groß und einschüchternd wirkt."

Sein Design, das unter dem Titel "Post-Sowjet-Style" sehr erfolgreich ist, interpretiert Streetwear mit einem russischen Akzent. "Ich glaube, dass die Leute nicht mehr an den extravaganten Modeträumen fantasierender Designer interessiert sind, sondern an lässigen Sachen, in denen man auf die Straße gehen kann." Mittlerweile trügen sogar russische Millionäre seine Sachen. "Das ist gerade deshalb ironisch, weil der Look meiner Entwürfe ja das Gegenteil von offensichtlichem Reichtum vermittelt, während die russische Upperclass normalerweise gerade darauf viel Wert legt."

US-Schriftsteller Garth Risk Hallberg: Mit 16 zum Poesie-Workshop

US-Schriftsteller Garth Risk Hallberg: Mit 16 zum Poesie-Workshop

Der US-Autor Garth Risk Hallberg (City on Fire) ist dankbar für eine Idee seiner Mutter, die ihn als 16-Jährigen zu einem Poesie-Workshop an einer Sommeruni überredete: "Das war das erste Mal, dass ich Gleichaltrige traf, die meinen Antrieb teilten. Und sie waren cool", so Hallberg im ZEITmagazin. Die Woche veränderte sein Leben: "Wenn ich zu der Idee meiner Mutter Nein gesagt hätte, wäre mein ganzes Leben heute anders. Meine Frau, meine besten Freunde, die Stadt, in der ich lebe, dieses Buch – alles wäre nicht so gekommen." Als Teenager sei er zuvor sehr unglücklich gewesen. "Mir ging es so schlecht, wie es einem nur als Teenager schlecht gehen kann", sagt der heute 37-Jährige. Er habe zwar Freunde gehabt, "aber das einzige, was uns verband, waren Drogen". Trost fand er damals in Gedichten: "Sie waren leidenschaftlich, intelligent, Rock'n Roll."

Hallberg, der in New York lebt, veröffentlichte im vergangenen Herbst seinen Debütroman ‚City on Fire‘, für den er mit zwei Millionen Dollar einen der höchsten Vorschüsse in der amerikanischen Literaturgeschichte erhielt.

Maggie Rogers erlebte Berlin als Inspirationsquelle

Maggie Rogers erlebte Berlin als Inspirationsquelle

Die 22-jährige US-Sängerin, Maggie Rogers, erinnert sich an "eine spirituelle Erfahrung" für ihre Songs im Berliner Nachtleben: In einem Berliner Club sei es ihr vorgekommen, als bedeute das Tanzen zu elektronischen Beats viel mehr als anderswo, so Rogers im ZEITmagazin. "Es ging den Menschen darum, den Kopf freizubekommen, auszuspannen, es ging um das Glück des Moments." Nach drei Tagen in Berlin habe sie gewusst, "wohin ich mich musikalisch entwickeln wollte". Die Inspiration für ihren Song ‚Alaska‘ habe sie so in Berlin gefunden.

Wer sich ihren Song ‚Alaska‘ genau anhöre, so Rogers, werde "das Rauschen einer Brise bemerken", die sie während einer Alaska-Wanderung aufgezeichnet habe. Nun werde sie erst mal in den Alpen wandern gehen und "auch da werde ich Sounds für meine Musik sammeln."

Maggie Rogers, 22, ist in Maryland, USA, geboren. Bekannt wurde sie kürzlich mit einem Internetvideo, in dem sie den Popstar Pharrell Williams mit ihrem Song ‚Alaska‘ begeistert.

CDU-Fraktionsvize Michael Kretschmer warnt: Crystal Meth „breitet sich in ganz Deutschland aus“

CDU-Fraktionsvize Michael Kretschmer warnt: Crystal Meth "breitet sich in ganz Deutschland aus"

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer warnt davor, dass billiges Crystal Meth aus der ostsächsischen Grenzregion zum Problem in ganz Deutschland werde. "Crystal ist hier im grenznahen Gebiet spottbillig", sagte Kretschmer in einem Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Das Gramm kostet zwischen 10 und 20 Euro. Und es lässt sich wahnsinniges Geld damit verdienen. In Leipzig kostet das Gramm schon 70, 80, 90 Euro. In Berlin noch mehr."

Deshalb habe ein reger Handel mit der Droge eingesetzt. "Leute gehen über die Grenze, kaufen ein paar Gramm, fahren nach Berlin oder Hamburg, bringen anderen Leuten was mit", sagte Kretschmer, der seinen Wahlkreis in Ostsachsen hat. "Hier in der Nähe fahren täglich die Dealer über die Grenze", so der 41-Jährige.

Die Produzenten der Droge säßen vor allem in Tschechien. "Das Zeug wird in Hinterzimmerlaboren zusammengemixt", sagte Kretschmer der ZEIT. Wegen der Grenznähe habe er das Problem in seinem Wahlkreis geballt. "Aber es breitet sich in ganz Deutschland aus", so der 41-Jährige.

In Ostsachsen begegne ihm das Thema inzwischen ständig, so Kretschmer. "Auch ich kenne Leute, die mit Crystal zu tun hatten", sagte er. "Sei es, weil es jemanden in deren Familie gibt, der das Zeug nimmt. Sei es, weil sie sich um Leute kümmern, die das genommen haben."

Dies sei eine Droge, "die so viel Elend in dieses Land bringt", sagte Kretschmer. "Deswegen ist es wichtig, dass Crystal geächtet wird."

Kretschmer sitzt seit dem Jahr 2002 im Deutschen Bundestag, seit 2005 ist er Generalsekretär der sächsischen CDU.

NS-Raubkunstfall in Bayern: Geschädigter fordert mehr Transparenz von Museen

NS-Raubkunstfall in Bayern: Geschädigter fordert mehr Transparenz von Museen

Zu dem NS-Raubkunstfall, in den die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Xantener Dombauverein verwickelt sind, meldet sich in einem Interview mit der ZEIT der Erbe John Graykowski zu Wort. Gemälde aus der Sammlung von Graykowskis jüdischem Urgroßvater waren während des Zweiten Weltkriegs von der Gestapo in Wien beschlagnahmt und dann an hochrangige Nazis verkauft worden. Nach Kriegsende hatten die Alliierten einige dieser Gemälde an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen übergeben, das Museum sollte die rechtmäßigen Eigentümer ausfindig machen. Stattdessen verkaufte das Museum in den fünfziger und sechziger Jahren jedoch mehrfach Raubkunst an Familien von Nazigrößen – zu teilweise erstaunlich niedrigen Preisen. "Mit uns nahm kein Museum Kontakt auf", sagt Graykowski. "Die staatlichen Institutionen unternehmen von sich aus nichts, das ist sehr verstörend."

Auf die Frage, was sich in Deutschland im Umgang mit NS-Raubkunst ändern müsse, antwortet Graykowski: "Es müssen genaue Verfahrensregeln für Restitutionsverfahren eingeführt werden, und es muss viel mehr Transparenz vonseiten der Museen geben. Es geht hier schließlich nicht um Nuklearwaffen, die Geheimnistuerei muss jetzt ein Ende haben. (…) Die Archive müssen für die Familien auf der Suche nach der geraubten Kunst endlich frei zugänglich gemacht werden. Oder will Deutschland, dass dieses ruhmlose Kapitel nie ein Ende findet?"

Eines der Gemälde aus der Sammlung von Graykowskis Urgroßvater, das zuerst von den Nazis geraubt und später von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verkauft wurde, befindet sich heute im Besitz des Xantener Dombauvereins, der die geforderte Rückgabe aber seit Jahren ablehnt: "Ich war schockiert", so Graykowski, "denn ich bin selbst Katholik. Dieser Dombauverein hat in den vergangenen sechs Jahren nicht ein Zeichen des Mitempfindens an uns ausgesendet. Stattdessen wird dort erstaunlich viel Energie in die Ablehnung der Rückgabe investiert. Und das bei einem Gemälde, das zwar für meine Familie von großem ideellem Wert ist, nicht aber für den Kunstmarkt."

Stefan Aust zum Stellenabbau bei der Welt: „Kein Haus bleibt verschont, so etwas gelegentlich zu machen“

Stefan Aust zum Stellenabbau bei der Welt: "Kein Haus bleibt verschont, so etwas gelegentlich zu machen"

Mit der Welt möchte Stefan Aust "ein besonderes journalistisches Angebot machen", Mitarbeiter müssen trotzdem gehen. Dazu, dass der Verlag bis zu 50 von 400 Stellen abbaut, sagt Aust im Gespräch mit der ZEIT: "Warum sollte das, was in allen Medienunternehmen passiert, teilweise in noch größerem Umfang, warum sollte das hier nicht passieren?" Und: "Gelegentlich muss man auch fragen: Machen wir möglicherweise zu viel? Man muss sich auch die Strukturen anschauen, die Ressorts anschauen und prüfen, welche Veränderungen sinnvoll sind. Kein Haus bleibt verschont, so etwas gelegentlich zu machen."

Die Redaktion von WeltN24 "ist und bleibt eine Online-Redaktion!" – dass das eigene Webvideo-Team aufgelöst worden ist, habe einen anderen Grund: "Bewegtbild im Fernsehen sieht ein Stück anders aus als Bewegtbild im Netz. Aber wenn Sie einen Fernsehsender mit vielen Nachrichtensendungen haben, verfügen Sie über die bestmögliche Grundlage. Da macht es wenig Sinn, einen weiteren eigenen Online-TV-Apparat aufzubauen." Die Zukunft liege in der Integration.

Derzeit entwickle die WeltN24-Redaktion eine neue Version von welt.de. "Es wird wohl die schnellste Nachrichten-Plattform im Internet in Deutschland sein", sagt Aust. Zum neuen Spiegel-Bezahlmodell sagt er: "Wir werden sehen, ob das neue Bezahlmodell beim Spiegel funktioniert, ich hoffe das für die Kollegen."