DIE ZEIT Verlagsgruppe

    Geschichte

    Die ersten Jahre

    Am 21. Februar 1946 erschien in Hamburg die erste Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Bis zur Nummer 13 zierte die Titelseite noch das Hamburger Wappen. Der Senat der Hansestadt sah darin jedoch einen Missbrauch des Hoheitszeichens: Nur staatliche Stellen dürften das Wappen führen, wurde der ZEIT mitgeteilt. Die Lösung fand man im Bremer Wappen, welches die Stadtherren der ZEIT ohne Nutzungsgebühr zur Verfügung stellten. Seither ziert der Bremer Schlüssel die Titelseite der ZEIT.

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    DIE ZEIT Nr. 1, 1946

    Die erste Ausgabe der ZEIT war nur acht Seiten stark, das in der Nachkriegszeit rationierte Papier reichte für eine Auflage von 25.000 Exemplaren. Jeder Artikel hatte vor dem Druck das britische Zensurbüro zu passieren. DIE ZEIT wagte als erste Zeitung (und lange Zeit als einzige) Kritik an den Siegermächten – immer mit der Einstellung, die Deutschen müssten die juristische Bewältigung ihrer Vergangenheit selber erledigen, anstatt sie den Besatzungsmächten zu überantworten. Sie war von Beginn an eine klare Stimme gegen Demontage und jede Form von Willkür seitens der Besatzungsmächte. Das war nicht ungefährlich, weil in jenen Jahren die englischen Pressezensoren die ZEIT leicht hätten verbieten können.

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    Das Pressehaus 1971

    Der Versuch, die liberalen Blätter Stern, Spiegel und ZEIT im Jahr 1960 wirtschaftlich zusammenzuschließen, scheiterte. Mitte der 60er Jahre zog der Stern aus dem Gebäude am Speersort aus, das sich ZEIT, Stern und Spiegel bis dahin teilten. 1969 verließ auch der Spiegel das Pressehaus. Die Solidarität zwischen den Blättern und ein gemeinsames demokratisches Ziel zeigten sich allerdings während der Spiegel-Affäre 1962. Nach einem Spiegel-Artikel über eine Herbstübung der NATO („Fallex 62“) waren mehrere Spiegel-Mitarbeiter wegen des Verdachts des Landesverrats und der aktiven Bestechung vorläufig festgenommen worden. Die Spiegel-Redaktion wurde von Angehörigen der Sicherungsgruppe Bonn besetzt, durchsucht und versiegelt. Im Vorfeld wurden nicht nur die Mitarbeiter vom Spiegel, sondern auch die Redakteure der ZEIT telefonisch abgehört. Die ZEIT-Redakteure stellten ihren Kollegen vom Spiegel in der Not Redaktionsräume, Schreibmaschinen und Archive zur Verfügung – eben alles, was sie zum Weitermachen brauchten. Für den Spiegel war das überlebenswichtig. Den Ausfall von mehreren Nummern hätte das Magazin wirtschaftlich nicht überstanden.

    Literaturhinweise:

    Die Geschichte der ZEIT schildern Haug von Kuenheim, ehemaliger Redakteur der ZEIT, Theo Sommer, Editor-at-Large der ZEIT, und Karl-Heinz Janßen in dem Buch

    Die Zeit. Geschichte einer Wochenzeitung 1946 bis heute. München: Siedler, 2006.

    Mit der Rolle der ZEIT in der Auseinandersetzung über die nationalsozialistische Vergangenheit, in den Kontroversen zur „deutschen Frage“ sowie in den Diskussionen um die Modernisierung und Liberalisierung beschäftigt sich das Buch

    „DIE ZEIT“ und die Bonner Republik: Eine meinungsbildende Wochenzeitung zwischen Wiederbewaffnung und Wiedervereinigung. Göttingen: Wallstein, 2008.

     

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    © Marion Dönhoff Stiftung

    Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002)

    1955 wurde Marion Dönhoff Leiterin des Politik-Ressorts, später Chefredakteurin und Herausgeberin. Sie machte DIE ZEIT schon zu Beginn ihres Engagements zu einem unabhängigen, liberalen, oft “zwischen allen Stühlen” (Dönhoff) sitzenden Blatt. Mehr als 50 Jahre lang hat Marion Gräfin Dönhoff die Geschichte der ZEIT redaktionell, politisch und moralisch beeinflusst. Über ihre journalistische Arbeit und mehr als zwanzig Bücher wurde sie zu einer der meistgelesenen politischen Kommentatoren in Deutschland.

    Es war mehr ein Zufall, dass auch die 36 Jahre alte Marion Gräfin Dönhoff 1946 ihren Weg zur ZEIT fand. Ein Memorandum, verfasst für einen englischen Offizier, das diesen aber nie erreichte, dafür aber im Hamburger Pressehaus landete, fand sofort den Gefallen der ZEIT-Leute. Marion Dönhoff reiste an, erhielt ein Salär von 600 Mark monatlich und war fortan nicht mehr wegzudenken. In der Ausgabe Nummer 5 stellte sie sich den Lesern mit zwei Beiträgen vor. Der englische Zensor verbat es sich, ihm weismachen zu wollen, dass der Artikel Totengedenken von „diesem jungen Mädchen“ geschrieben sei. Ihr zweiter Artikel hieß Ritt gen Westen. Ende Januar 1945 war Marion Gräfin Dönhoff auf Ihrem Fuchswallach Alarich nach Westen geflohen.

    Ihr Ritt von Ostpreußen nach Westfalen dauerte sieben Wochen. Ihr Bericht wurde der Grundstock für ein Buch, das zum Best- und Longseller werden sollte: Namen, die keiner mehr nennt .

    Literaturhinweis:

    Eine Biographie von Marion Gräfin Dönhoff erschien 2008 unter dem Titel „Die Gräfin. Marion Dönhoff. Eine Biographie“, verfasst von Klaus Harpprecht.

    Marion Dönhoff Preis

    Der Marion Dönhoff Preis würdigt Dienste im Namen der internationalen Verständigung und Versöhnung. Der von der ZEIT, der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der Marion Dönhoff Stiftung gestiftete Preis hält das Andenken an die langjährige Chefredakteurin und Herausgeberin der ZEIT wach.

    Termin: einmal im Jahr, am ersten Adventssonntag vormittags

    Veranstaltungsort: Deutsches Schauspielhaus, Hamburg

    Kontakt: marion-doenhoff-preis@zeit.de

    Marion Dönhoff Preis: www.services.zeit.de/marion-doenhoff-preis/

    Marion Dönhoff Stiftung: www.marion-doenhoff.de/

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